Am-Horizont-Links.de
HOME ÜBER MICH EXPEDITIONSMOBILE BLOG KOPTER FOTO & VIDEO KONTAKT
*) = Amazon Affiliate Link, was das bedeutet kannst du hier lesen
geschrieben von SERGEJ KERN

Kurzurlaub Zypern 2015

Daten:

- Drittgrößte Mittermeerinsel (9251 qkm) - Seit 1974 de facto geteilt - Süden: Republik Zypern (EU); Norden: Türkische Republik Nordzypern (nicht anerkannt) - 1€ = 3,75 TL (Türkische Lira), je nachdem wo man tauscht auch nur 2 TL pro Euro :) - 1,1 Mio. Einwohner - Mediteranes Klima mit kontinentaler Ausprägung - Nikosia (Hauptstadt) hat im Juli eine Durchschnittstemperatur von 37°C (nur 2°C kälter als Dubai) - 19.-26. Mai 2015 (also mitten im Semester, eigentlich sollten wir uns schämen) - Flug und Bungalow mit Frühstück für 200€ pro Nase auf Urlaubspiraten.de gefunden - Zufällig im türkischen Teil der Insel gelandet, der sehr schön ist und touristisch nicht so überlaufen, wie die griechische Seite. - Ohne Auto und in der wenigen Zeit konnten wir nicht alles Sehenswerte der Insel erkunden, wir hatten auch nur 2 Strandtage.

Tagebuch

Tag 1:

Wir haben einen Nachtflug gebucht, so konnte Lena morgens noch in ihre Pflichtkurse an der Uni gehen. Auf dem Flug hatten wir einen Zwischenhalt in Antalya (geplant waren knapp 1h, gewesen sind es über 3h), bevor es auf die Insel ging. Unser Bus verteilte die Gäste auf zwei Hotels und wir bekamen schon einen riesen Schrecken, als wir auf einmal vor einem unglaublichen Hotelklotz gehalten haben, so hatten wir uns unsere Unterkunft nicht vorgestellt. Gott sei Dank sind wir noch weiter gefahren, in eine kleine Bungalowanlage. Ankunftszeit:  03:48 Uhr.

Tag 2:

Wir haben erst einmal ausgeschlafen und frühstückten am nächsten Morgen in der Lobby. Unser Bungalow hatte leider keine Küche und so konnten wir nicht kochen. Frühstück bekamen wir ja (nichts besonderes gut, aber ganz ok), mittags waren wir viel unterwegs und abends haben wir Müsli gegessen - also war unsere Küchenlosigkeit kein großes Problem (Lena hätte sich über mehr Obst und Gemüse gefreut, aber da war leider wenig zu machen). Wir liefen nach dem Frühstück erstmal am Strand entlang zum nächsten Dorf. Dort, so wurde uns gesagt, sei ein kleiner Supermarkt für Lebensmittel. Mitnehmen durften wir auf Grund der von Armeisen und anderen Krabbeltieren offiziell zwar nix, aber was keiner weiß... . In unserm Bungalow hatten wir eine Minibar, in der wir die paar Dinge (besonderes Milch für das Müsli) die wir kauften lagern konnten. Nach dem Einkaufsschlepp in der Mittagshitze gingen wir zum Strand. Dieser hatte ca. 20 Liegen um Sonnenschirme. Die Liegen waren aber max. von vier oder fünf Paaren besetzt und wir hatten den Stand für uns. - Glück gehabt.

Tag 3:

Wir hatten ja leider nicht viel Zeit, um die Insel zu erkunden und machten gleich unseren ersten Tagesausflug nach Gazimağusa (Famagusta), die nächst größere Stadt südlich von uns. Ein Kleinbus fuhr viermal täglich, die kleinen Orte an der Küste ab und brachte sowohl Touristen, als auch Einheimische für      8 TL in die Stadt. In Gazimağusa ließ uns der Busfahrer direkt in der Altstadt raus, und wir versuchten ihm auf Englisch und mit Händen und Füßen zu erklären, dass wir um 16.00 Uhr wieder aufgesammelt werden wollen - so ganz sicher, dass er uns verstanden hatte waren wir uns nicht, wir hofften das beste. Wir bummelten durch die Altstadt und betrachten die alten Gemäuer und römischen Ruinen. Uns viel auf das in diesem Jahr noch nicht viele Touristen da gewesen sein konnten, denn die Souvenierhändler beobachteten uns wie die Geier. Die Geier verkauften natürlich nur echte Marken: Gucci, Prada, Michael Kros etc. ;) Auf dem Festland stehen die Verkäufer über solchen Flunkereien und verkaufen ihre “getürkte” Ware ganz offen an die deutschen Touris Die Touristinfo war am anderen Ende der Altstadt und so hatten wir schon viel selbst entdeckt, bis wir dort waren und eine Karte mit den Sehenswürdigkeiten bekamen. Das selbst entdecken war auch nicht sonderlich schwer, wir schauten nach oben und alles was alt und mindestens doppelt so hoch als alles anderen war haben wir uns angeschaut. Von der Stadtmauer konnte man die ganze Stadt sehen. Umsonst war die Touristeninfo nicht, wir erfuhren von einem Obst und Gemüsemarkt nahe des Busbahnhof. Dort kauften wir kauften wir unglaubliches Trockenobst und Lena schloss gleich Freundschaft mit dem “Chicken-Döner”-mann vor Ort. Der Tag war unglaublich schön, besonderes weil uns der Busfahrer tatsächlich, um  16.00 Uhr abgeholt und heil nach Hause brachte.

Tag 4:

Am Wochenende fuhren keine Busse, deshalb machten wir unseren zweiten Ausflug gleich am darauf folgenden Tag. Wir fuhren in die geteilte Hauptstadt Nikosia, oder wie die Türken sagen: Lefkoşa. Nikosia ist die letzte geteilte Hauptstadt der Welt. 1974 marschierten die Türken auf Zypern ein und besetzten den Nordteil der Insel. Die Türkische Republik Nordzypern ist (laut Wikipedia) ein von der Weltgemeinschaft nicht anerkannter Staat mit einem stabilisierten De-facto-Regime. Das "freie" Zypern bezeichnet jeden Türken auf zyprischem Boden als illegalen Einwohner, weshalb kein Türke die Grenze innerhalb des Landes überqueren darf. Aber zurück zu unserem Ausflug: Die wenigsten Türken sprechen Englisch, und so gestaltete sich unsere Reise als recht spannend. Wir fuhren mit dem Bus nach Famagusta (8TL/15km). Der Busfahrer schmiss uns am Straßenrand raus, fuchtelte wild mit den Händen und redete türkisch mit uns. Wir verstanden kein Wort fragten einfach nach "Nikosia". Er antwortete wieder auf türkisch, aber diesmal mit einem Daumen nach oben "... Lefkoşa". Leicht verwirrt, wegen der unterschiedlichen Namen stiegen wir aus - wir waren selbst schuld, hätten wir uns wohl besser informieren sollen,  aber zu unserer Verteidigung hat unser Reiseführer in dem 10 Seiten Artikel nie den Namen Lefkoşa erwähnt (”De-facto-Regime” werden wohl von den Reiseführerautoren nicht unterstützt). Im Busbahnhof trafen wir einen Türken, der in Deutschland wohnte und in unserer Anlage seinen Urlaub verbrachte. Er kaufte uns die Bustickets (6TL/65km, soviel zum Thema Touristen werden nicht ausgenommen) und klärte uns bezüglich der Namen auf. Den richtigen Bus zu finden gestaltete sich schwieriger als gedacht, die Busfahrer antworteten, auf die Frage "To Lefkosa?",  mit einem Schwall auf türkisch. Nachdem wir schon dachten wir hätten jetzt den Bus verpasst, bekamen wir beim 10ten Bus, neben dem obligatorischen Schwall türkisch, einen Daumen nach oben und konnten einsteigen. Über die Fahrweise sagen wir lieber nichts. In Lefkoşa steigen wir am Busbahnhof aus und stehen erst ein mal planlos herum, kein Schild Richtung Zentrum. Wir liefen ein bisschen herum und fanden letztlich zur Altstadt. Nach den ersten herunter gekommenen Moscheen und der leicht vergammelten Stadt ist Lena ziemlich enttäuscht und ärgert sich wegen des langen Weges. Zwei Ecken weiter kommen wir zur Hauptmoschee und gerade als wir um das Gebäude streifen beginnt der Ruf des Muezzin "Allāhu akbar, Allāhu akbar..." - Gott ist groß (größer als alles und mit nichts vergleichbar). Mit der Stimme des Muezzin im Ohr erkunden wir die Moschee von außen und stürzen uns anschließend ins Touristengetümmel. Die Touristen aus dem EU-Teil der Insel kommen hier her um genüsslich den nicht vorhandenen Markenschutzgesetzen zu frönen und bei den türkischen Händlern die "getürkten" Waren zu kaufen. Lena genießt diese Meile, obwohl sie nichts einkaufen wird. Mir ist das alles zu viel, also lese ich im Reiseführer über die alte Karawanserei und trotte hinter. Die Karawanserei ist beeindruckend, restauriert und deshalb auch touristisch vermarktet. Für mich eine Gratwanderung, die historische Stätte verzaubert mich, die vielen Touris (ich selbst natürlich auch) verstören. Zu unserem letzten Bus müssen wir rennen, wir sind sehr spät dran und hetzen durch die Straßen. Lena springt zur Seite, ich vor ihr auch. An uns vorbei heizen zwei junge Türken in ihrem Jeep Caprio. Eine Vollbremsung. Der Fahrer dreht sich um, lacht uns an und meint "Where do you want? Come in, I take you with me" - Lena schaut mich an, ich sie. Der Bus wird sau knapp. Also "Thanks Guys" und auf die Hinterbank gehüpft, zum Busbahnhof und rein in den Bus. Wir konnten nicht mal nach ihren Namen fragen, sind aber beeindruckt von so viel Gastfreundschaft nach hause gefahren. P.S. Als wir in Gazimağusa angekommen sind, waren wir noch beim Dönermann unseres Vertrauens. Der Gute erkennt uns und wir werden begrüßt wie alte Bekannte. Vor zwei Tagen habe ich ihn um ein Foto gebeten, heute zeigt er auf meine Kamera, hält Lena seine Schürze hin und lädt sie in seine Bude ein. Wir essen Döner, trinken Tee bzw. Mokka, essen ein nach Apfel schmeckendes frisiertet Teiggebäck und fühlen uns wohl in dem kleinen Cafe an der großen Straße. Wir zahlen 15 TL (ca. 4€) und können den Budenbesitzer nicht überreden Trinkgeld zu nehmen.

Tag 5:

Die nächsten beiden Tage verbringen wir am Strand. Es ist unglaublich warm und im nach hinein glaube ich die Temperaturen im Vergleich zu Dubai (siehe Anfang). Auf dem Weg vom Strand zum Bungalow entdecken wir ein wildes Chamäleon, das von einem Busch zum anderen läuft. Am Abend wollen wir in ein Fischrestaurant gehen. Lena hat von Babuschka (meiner russischen Oma) noch eine Essenseinladung zum Geburtstag bekommen und diese wollen wir heute einlösen. Die Reiseberaterin der Anlage hat uns erzählt, es gäbe knapp 5 km von uns am Strand ein wunderschönes Fischlokal - sehr berühmt in der Gegend. Am frühen Abend machen wir uns am Strand entlang auf den Weg zum Lokal. Wir haben meine Starke Stirnlampe dabei, damit wir später in der Dunkelheit am Strand zurück laufen können.  Der Weg ist weit und extrem viele Sandflöhe machen ihn spannend. Gerade als wir ernsthaft wegen der 5 km zu  Zweifeln beginnen sehen wir am Horizont einen kleinen Container mit Antennen darauf. Bis dort wollen wir noch gehen, dann umdrehen. Ein paar hundert Meter weiter, können wir von einer kleinen Anhöhe sehen, dass der Container in echt ein zweistöckiges Haus ist - wohl unser Fischrestaurant :). Dort angekommen bekommen wir einen Tisch direkt am Ufer, wunderschön. Wir bestellen mit Händen und Füßen - die Kellner können kein Englisch, aber zum Glück gibt es Bilder auf der Karte. Die Karte durchblicken wir trotzdem nicht ganz, Menüs, Einzelpreise ect., die Struktur bleibt uns verborgen. Lena bekommt ein Schrimprisotto (leider etwas sehr scharf), ich einen Fisch. Zusammen bekommen wir noch um die 10 verschiedenen Beilagen (bestellt haben wir nur eine :)). Wir sind uns nicht sicher ob unser Geld langt, im Zweifel muss ich die 7 km zum Bungalow und zurück joggen und Lena muss als Pfand bleiben, diese Vorstellung vermiest uns etwas den Abend. Bezahlt haben wir schlussendlich nur ca. 60 TL (ca. 20€), wir hatten mehr dabei.

Tag 6:

Unseren letzten richtigen Urlaubstag verbrachten wir Vormittags am Strand und nachmittags fuhren wir noch einmal kurz nach Gazimağusa und erkundeten die Lala Mustafa Paşa Moschee erneut, diesmal auch von innen. Im ersten Moment nach dem Eintreten waren wir etwas verwirrt, die fehlenden Bänke und der überall ausgerollte Teppich lassen den Ort ganz anders wirken als der Kirchenbau vermuten lässt. Gebaut wurde die Moschee als Nikolaus-Kathedrale durch die Kreuzritter (1298-1326). Nach der Eroberung durch die Osmanen 1571 wurde sie zur Moschee um gewidmet.