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geschrieben von SERGEJ KERN

Nacht im Iglu

Daten:

Ort: Unterammergau, Pürschling GPS: Breitengrad : 47.582547 | Längengrad : 10.993226 Datum: 9.-10.3.2016 Kamera: Panasonic Lumix DMC G3   *)

Unterwegs:

Es war schon Nachmittag als ich mich mit meinem Freund Lukas am Pürschlingparkplatz traf. Am Freitag waren wir noch zusammen gesessen und hatten geplant. Es ist schon Frühling, die Temperaturen liegen tagsüber über dem Gefrierpunkt, nachts kann es noch ziemlich kalt werden. Es ist für uns beide die erste Nacht, für mich im Iglu und für ihn mit dem neuen Winterzelt, und deshalb wälten wir einen Ort an dem wir uns gut aus kannten, eine Schneewächte nahe des Pürschlinggipfels sollte das Ziel für die Nacht werden. Falls wir auf irgendwelche ernsthaften Probleme stoßen haben wir die Möglichkeit uns in der Gamshütte der Bergwacht Unterammergau zu flüchten und dort am warmen Ofen wieder auf zu wärmen.
Wir sind beide ganz ordentlich auf gepackt, wir schleppen jeder einen Rucksack mit gut 15kg. Lukas hat sein Zelt und ich meinen 5kg schweren Bundeswehr Schlafsack, dazu noch Wasser, Essen, Wechselklamotten und jeder seine Kamera Ausrüstung. Der Schlafsack füllt 80% meines Rucksacks, hällt bis -30°C warm und ist ein richtiges oldschool Modell der Bundeswehr. Wir laufen mit unseren Tourenski den normal Wanderweg zum Pürschling anstatt wie sonst den deutlich schöneren, längeren aber teilweise sehr exponierten Weg über den Stein und Teufelstättkopf zu nehmen. Zwei Stunden später kommen wir an unserem Ziel an beginnen mit den Vorbereitungen für die Nacht. Da es schon Nachmittag ist entschließe ich mich für eine rechteckige Form mit Flachdach statt eines Kuppelbaus für mein Iglu. Aus dem 1,5m tiefen Schnee schneide ich mit einer Iglusäge Blöcke mit 60x40x30 cm aus. Mit jedem Block gewinne ich doppelt, einmal die Höhe die er aufträgt und zum zweiten mal bei dem Loch das er zurück lässt. Nach einer guten Stunde habe ich so ein Rechteck mit 2,5x1x1 m aufgebaut. Ich lege meine Ski und Stöcke wie Balken auf die Wände und beginne mit dem Bau des Flachdaches. Die Arbeit ist mühselig, im Schnee gibt es so spät im Winter viele Schwachschichten, an denen die Brocken immer wieder auseinander brechen. Als ich endlich fertig bin dämmert es schon. Mit dem abgesenkten Bereich am Fußende hoffe ich die Kälte einzufangen.
Nach dem Essen ist es endgültig dunkel. Jetzt beginnt der eigentliche Grund wieso wir hier sind. Wir sind gekommen um den Sternenhimmel zu fotografieren. Lukas macht Einzelbilder und ich einen Zeitrafferfilm. Den Film kann ich leider nicht so lange laufen lassen wie geplant, wegen der Kälte friert die Kamera ein und schwächt dabei sehr den Akku, aus meinen 5 Stunden Zeitraffer wird also nur eine, denn den letzten Akku will ich mir für den Sonnenaufgang am nächsten Morgen aufheben.
Nach dem Fotografieren schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke und während Lukas leicht friert beginne ich mich über die 4 kg zu freuen, die mein Schlafsack mehr wiegt als seiner. Nach 2 Stunden bin ich fast am überhitzen und öffne die äußere meiner Daunenhüllen. Mein Vorteil ist nicht nur der deutlich wärmere Schlafsack, sondern auch der, das die Wände meines Iglus gut isolieren, meine Körper-wärme erwärmt den Innenraum auf +3°C, über Nacht schmelzen sogar ein paar Zentimeter Wand ab.
Der nächste Morgen beginnt für mich wieder damit, dass ich meine Kameraausrüstung für eine weitere Zeitrafferaufnahme aufbaue. Jetzt will ich den Sonnenaufgang filmen was wegen der sich ständig ändernden Helligkeit sehr schwer ist, quasi der Heilige Gral der Zeitrafferfotografie. Während die Kamera ihre Arbeit tut koche ich Tee und so genießen Lukas und ich einen schönen Morgen. Zu guter Letzt kann ich noch eine Herde Gämse filme die ca. 400m Luftlinie von uns entfernt am gegenüberliegenden Hang grasen. Mein 400mm (KB) Teleobjektiv langt nicht aus um die Tiere nahe genug heran zu holen und so entscheide ich mich schweren Herzens zum Digitalzoom.